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Wasser im Kraftstoff: Wie eine übersehene Verunreinigung zum tödlichen Unfall führte

Zuletzt aktualisiert am 16. August 2026
Ein tödlicher Unfall mit einer Rockwell Commander 112 TCA in Schottland zeigt, wie gefährlich Wasser im Kraftstoffsystem eines Kolbenflugzeugs werden kann. Kurz nach dem Start begann der Motor offenbar zu stottern, wenig später geriet die Maschine außer Kontrolle. Die britische AAIB fand erhebliche Mengen Wasser im Kraftstoffsystem und stark beschädigte Dichtungen an den Tankdeckeln. Der Fall unterstreicht, warum Kraftstoffproben vollständig und kritisch durchgeführt werden müssen – besonders nach längerer Standzeit im Freien.

Unfall kurz nach dem Start

Der Unfall ereignete sich am 23. Dezember 2024 am Flugplatz Fife in Schottland. Die Rockwell Commander hatte zuvor mehrere Wochen im Freien gestanden. Nach Vorflugkontrolle und längerem Motorlauf startete der 50-jährige Pilot auf Piste 24.

Rund eine Minute später zeichnete eine Überwachungskamera einen unregelmäßig laufenden Motor auf. Kurz darauf verlor der Pilot im Anfangssteigflug die Kontrolle über das Flugzeug. Die Commander schlug in ansteigendes Gelände ein, der Pilot kam ums Leben.

Rund 0,24 Liter Wasser im Kraftstoffsystem

Bei der technischen Untersuchung fanden die Ermittler keinen klassischen mechanischen Defekt am Motor. Das Kraftstoffsystem zeigte jedoch eine erhebliche Wasserverunreinigung.

Besonders kritisch war die Situation im Vergaser: Im Schwimmergehäuse befand sich so viel Wasser, dass der Einlass der Hauptdüse bedeckt werden konnte. Insgesamt wurden rund 0,24 Liter Wasser aus dem Kraftstoffsystem geborgen.

Wasser ist schwerer als Avgas und sammelt sich an den tiefsten Punkten von Tanks und Leitungen. Gelangt es zum Vergaser oder zur Einspritzanlage, kann es zu unruhigem Motorlauf, Leistungsverlust oder vollständigem Motorausfall kommen.

Beschädigte Tankdeckeldichtungen als Ursache

Die Ermittler fanden deutliche Risse in den Gummidichtungen der Tankdeckel. Tests zeigten, dass Regenwasser darüber in die Tanks gelangen konnte. Zwischen dem letzten Flug Anfang November und dem Unfalltag war das Flugzeug rund sieben Wochen im Freien abgestellt gewesen und wiederholt Niederschlag ausgesetzt.

Bemerkenswert ist, dass bereits Monate zuvor Wasser in den Tanks festgestellt worden war. Wartungsarbeiten im Bereich der Tankdeckel beseitigten die eigentliche Ursache jedoch offenbar nicht. Die AAIB empfahl dem Hersteller deshalb, konkrete Inspektionskriterien für diese Dichtungen in die Wartungsunterlagen aufzunehmen.

Warum der Motor am Boden trotzdem normal lief

Ein problemloser Motorlauf vor dem Start schließt Wasser im Tank nicht aus. Das Wasser kann sich zunächst am Tankboden sammeln, während der Motor weiterhin sauberen Kraftstoff erhält. Erst beim Rollen, Beschleunigen und Steigflug kann sich die Flüssigkeit bewegen und zur Kraftstoffentnahme gelangen.

Genau deshalb darf ein längerer, unauffälliger Motorlauf nicht als Ersatz für eine sorgfältige Kraftstoffkontrolle betrachtet werden.

Alle Drain-Stellen müssen geprüft werden

Das Flughandbuch der Commander verlangt vor dem ersten Flug des Tages Kraftstoffproben an allen vorgesehenen Ablassstellen. Wird Wasser gefunden, muss so lange weiter abgelassen werden, bis das System frei von Verunreinigungen ist.

Ob der Pilot am Unfalltag tatsächlich alle Drain-Stellen geprüft hatte, ließ sich nicht abschließend klären. Für Piloten ergibt sich daraus eine wichtige Lehre: Bei mehreren Ablassstellen genügt es nicht, nur den Gascolator oder einen einzelnen Tank zu kontrollieren. Wasser kann sich lokal in einem anderen Bereich des Systems sammeln.

Auch eine klare Probe kann täuschen

Eine weitere Gefahr ist weniger bekannt: Befindet sich im Probengefäß ausschließlich Wasser, fehlt die typische Trennschicht zwischen Wasser und Kraftstoff. Eine solche Probe kann deshalb fälschlicherweise für sauberen Kraftstoff gehalten werden.

Auch der Geruch ist kein zuverlässiges Kriterium, weil Wasser nach Kontakt mit Avgas nach Kraftstoff riechen kann. Avgas 100LL ist normalerweise blau gefärbt; eine ungewöhnlich klare oder farblose Probe sollte daher besonders kritisch betrachtet werden.

Nach dem Start gilt: Aviate zuerst

Der Unfall zeigt außerdem, warum Motorprobleme unmittelbar nach dem Start besonders gefährlich sind. In geringer Höhe bleibt kaum Zeit für Fehlersuche oder komplizierte Verfahren.

Die erste Aufgabe lautet immer, die Kontrolle über das Flugzeug und eine sichere Geschwindigkeit zu erhalten. Erst danach können – sofern Höhe und Zeit vorhanden sind – Maßnahmen zur Wiederherstellung der Motorleistung folgen.

Der bekannte Grundsatz Aviate – Navigate – Communicate ist gerade in dieser Situation entscheidend.

Besondere Vorsicht nach Regen und längerer Standzeit

Bei Flugzeugen, die längere Zeit draußen stehen, sollte nach starken Niederschlägen besonders sorgfältig auf Wasser kontrolliert werden. Auch der Zustand von Tankdeckeln und Dichtungen gehört zur Vorflugkontrolle.

Wiederkehrende Wasserfunde sollten niemals lediglich durch erneutes Ablassen erledigt werden. Entscheidend ist, die Eintrittsstelle zu finden und zu beseitigen.

Fazit

Der Unfall der Rockwell Commander zeigt, wie aus einer scheinbar einfachen Verunreinigung eine tödliche Ereigniskette entstehen kann. Regenwasser gelangte offenbar über beschädigte Tankdeckeldichtungen in das Kraftstoffsystem und führte kurz nach dem Start zu Motorproblemen.

Für Piloten sind die Konsequenzen klar: alle vorgeschriebenen Drain-Stellen prüfen, Farbe und Beschaffenheit der Probe beurteilen und wiederkehrende Wasserfunde technisch untersuchen lassen. Und wenn der Motor nach dem Start Probleme macht, hat die Flugzeugkontrolle immer Vorrang vor der Fehlersuche.


Quellverweise:
Fliegermagazin

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