Was bedeutet Eigenstaffelung?
Normalerweise sorgt die Flugverkehrskontrolle für die erforderliche Staffelung zwischen kontrollierten IFR-Flügen. Bei der Eigenstaffelung wird diese Verantwortung gegenüber einem konkret bezeichneten Verkehr für einen begrenzten Abschnitt an den Piloten delegiert.
Der Pilot muss den anderen Verkehr sehen und den Abstand selbst sicherstellen. Der IFR-Status des Fluges bleibt bestehen; lediglich die Staffelungsverantwortung gegenüber diesem einen Verkehr ändert sich vorübergehend.
Neue Bekanntmachung ersetzt die Regelung von 2014
Die NfL 2026-1-4027 ersetzt die bisherige NfL 1-246-14. Rechtsgrundlage sind § 31 LuftVO und SERA.8005. Die Bekanntmachung legt fest, unter welchen Voraussetzungen Flugsicherungsorganisationen das Verfahren in Deutschland anwenden dürfen.
Die Voraussetzungen
Die Eigenstaffelung ist nur zulässig, wenn alle Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:
- nur am Tag
- unterhalb FL100
- ausschließlich in Luftraum D oder E
- nur im Steig- oder Sinkflug
- der betroffene Pilot beantragt das Verfahren oder stimmt zu
- auch der Pilot des anderen Luftfahrzeugs stimmt zu
- die Anwendung ist zeitlich, räumlich oder durch eine bestimmte Höhe begrenzt
Sichtkontakt ist entscheidend
Eigenstaffelung setzt voraus, dass der Pilot den anderen Verkehr eindeutig sehen und verfolgen kann. Geht der Sichtkontakt verloren oder verschlechtern sich die Bedingungen, muss ATC unverzüglich informiert werden.
Das Verfahren ist damit ausdrücklich kein Ersatz für reguläre Staffelung bei schlechtem Wetter oder in größerer Höhe.
Zustimmung ist freiwillig
ATC kann Eigenstaffelung nicht einfach anordnen. Der betroffene Pilot muss zustimmen, ebenso der Pilot des anderen Luftfahrzeugs. Wer den Verkehr nicht eindeutig identifizieren kann oder sich mit der Situation nicht wohlfühlt, kann das Verfahren ablehnen; dann bleibt die normale ATC-Staffelung bestehen.
Ein typisches Beispiel
Ein schnelleres IFR-Flugzeug befindet sich im Sinkflug hinter einem langsameren Verkehr. Beide sind unter FL100, die Sicht ist gut und der Pilot des hinteren Flugzeugs hat den vorausfliegenden Verkehr sicher in Sicht. Unter diesen Bedingungen kann ATC die Staffelungsverantwortung für einen begrenzten Abschnitt delegieren. Dadurch lässt sich etwa ein kontinuierlicher Sinkflug ermöglichen, der bei normaler vertikaler Staffelung zunächst nicht möglich wäre.
Was übernimmt der Pilot tatsächlich?
Der Pilot übernimmt für den genannten Verkehr die Verantwortung, einen sicheren Abstand zu halten. Die übrige ATC-Freigabe gilt weiterhin. Verliert der Pilot den Verkehr aus den Augen, muss er ATC sofort informieren. Die Flugsicherungsorganisation muss dafür geeignete Verfahren und Ausweichanweisungen vorsehen.
Warum das Verfahren sinnvoll sein kann
Eigenstaffelung kann ATC mehr Flexibilität geben. Wenn Piloten bei guten Sichtbedingungen selbst Abstand halten, können unnötige Level-offs vermieden und Steig- oder Sinkflüge früher fortgesetzt werden. Das kann den Verkehrsfluss verbessern.
Keine automatische Einführung überall
Die NfL bedeutet nicht, dass das Verfahren sofort überall angewendet wird. Die jeweilige Flugsicherungsorganisation muss zuvor eigene betriebliche Verfahren festlegen, die betroffenen Stellen informieren und die aufsichtsrechtlichen Anforderungen einschließlich einer möglichen Sicherheitsbewertung erfüllen.
Was Piloten beachten sollten
Eine Zustimmung zur Eigenstaffelung sollte nur erfolgen, wenn der andere Verkehr eindeutig identifiziert ist und zuverlässig beobachtet werden kann. Blendung, Dunst, Wolken, hohe eigene Arbeitsbelastung oder ein ungünstiger Hintergrund können gute Gründe sein, das Verfahren abzulehnen.
Eigenstaffelung ist außerdem nicht mit einem Visual Approach gleichzusetzen. Sie betrifft ausschließlich die Staffelungsverantwortung gegenüber einem bestimmten Verkehr während eines begrenzten Steig- oder Sinkflugabschnitts.
Fazit
Mit der NfL 2026-1-4027 werden die deutschen Rahmenbedingungen für Eigenstaffelung aktualisiert. Das Verfahren bleibt bewusst eng begrenzt und setzt die Zustimmung beider Piloten voraus.
Für IFR-Piloten ist vor allem eines entscheidend: Wer zustimmt, übernimmt für einen definierten Abschnitt selbst die Verantwortung für den sicheren Abstand zum genannten Verkehr. Richtig eingesetzt kann Eigenstaffelung den Verkehrsfluss verbessern – sie sollte aber nur akzeptiert werden, wenn der andere Verkehr jederzeit sicher beobachtet werden kann.
Quellverweise:
NFL
