Ausgangslage: FIS am Limit
Der Fluginformationsdienst ist für viele Pilotinnen und Piloten der allgemeinen Luftfahrt ein zentraler Bestandteil der Flugsicherheit. Er liefert Verkehrsinformationen, Wetterhinweise, unterstützt bei Notfällen und fungiert als wichtiger Ansprechpartner im unkontrollierten Luftraum. Anders als die Flugsicherung im kontrollierten Luftraum erfolgt die Nutzung jedoch freiwillig, was zu stark schwankenden Arbeitslasten führt.
In den vergangenen Jahren hat sich die Situation deutlich zugespitzt. Insbesondere an guten Flugtagen in der Saison stoßen die FIS-Sektoren regelmäßig an ihre Kapazitätsgrenzen. Große geografische Zuständigkeitsbereiche – etwa in der FIR Langen – treffen auf eine hohe Anzahl gleichzeitig betreuter Luftfahrzeuge. Dies führt nicht selten dazu, dass Piloten keinen Funkkontakt herstellen können oder Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.
Die DFS Deutsche Flugsicherung hat deshalb nach Möglichkeiten gesucht, die vorhandenen Ressourcen effizienter zu nutzen, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen.
Einführung des Frequency Monitoring Code (FMC)
Im Rahmen eines zeitlich begrenzten Probebetriebs wurde während der Flugsaison 2025 erstmals der Frequency Monitoring Code (FMC) in einem ausgewählten Sektor eingeführt. Ziel dieses Verfahrens ist es, die Funkfrequenzen zu entlasten und gleichzeitig die Situationsübersicht für die FIS-Lotsen zu verbessern.
Das Grundprinzip ist einfach, aber wirkungsvoll:
Piloten erhalten einen speziellen Transpondercode (Squawk), der signalisiert, dass sie eine bestimmte FIS-Frequenz mithören, ohne aktiv in Funkkontakt zu stehen. Der Lotse erkennt somit, dass das Luftfahrzeug grundsätzlich erreichbar ist, falls dies erforderlich wird – etwa bei Verkehrshinweisen oder sicherheitsrelevanten Informationen.
Damit entsteht eine Art „passive Teilnahme“ am FIS, die es ermöglicht, den Funkverkehr auf das Wesentliche zu reduzieren.
Klarstellung: Kein „FIS-light“
Wichtig ist die klare Abgrenzung zu möglichen Fehlinterpretationen: Das FMC-Verfahren stellt keinen abgespeckten FIS-Dienst dar. Piloten, die aktiv Informationen benötigen oder eine Verkehrsinformation wünschen, müssen weiterhin regulär Funkkontakt aufnehmen.
Der FMC ist vielmehr als Ergänzung zu verstehen – ein Werkzeug, um die Frequenzen zu entlasten und gleichzeitig die Erreichbarkeit von Luftfahrzeugen zu verbessern. Die volle FIS-Leistung steht weiterhin uneingeschränkt zur Verfügung, wenn sie aktiv in Anspruch genommen wird.
Positive Erfahrungen aus dem Jahr 2025
Die Rückmeldungen aus der Pilotenschaft und von Seiten der Flugsicherung zum ersten Probebetrieb fielen überwiegend positiv aus. Besonders hervorgehoben wurden:
- Eine spürbare Entlastung der Funkfrequenzen
- Weniger „Blocking“ durch unnötige oder redundante Funksprüche
- Eine verbesserte Erreichbarkeit bei tatsächlich relevanten Situationen
- Mehr Flexibilität für Piloten, die situativ entscheiden können, wann sie aktiv am Funk teilnehmen
Auch aus operationeller Sicht zeigte sich, dass Lotsen ein besseres Lagebild erhalten können, wenn mehr Luftfahrzeuge über den FMC identifizierbar sind.
Erweiterter Probebetrieb ab April 2026
Auf Basis dieser Erfahrungen wird das Verfahren nun weiter ausgerollt. Ab dem AIRAC-Zyklus April 2026, konkret ab dem 16. April 2026, startet ein erweiterter Probebetrieb in weiteren Sektoren.
Die detaillierten Rahmenbedingungen werden im entsprechenden Aeronautical Information Circular (AIC) veröffentlicht, das am 2. April 2026 erscheinen soll. Darin enthalten sind unter anderem:
- Die betroffenen FIS-Sektoren
- Zugehörige Frequenzen
- Zuweisung der FMC-Squawk-Codes
- Verfahrensbeschreibung für Piloten
Damit erhalten Luftfahrzeugführer eine verbindliche Grundlage für die Anwendung im täglichen Flugbetrieb.
Einordnung im internationalen Kontext
Das FMC-Verfahren ist kein isoliertes deutsches Phänomen. Ähnliche Ansätze existieren bereits in anderen europäischen Ländern. In Großbritannien etwa wird seit Jahren mit sogenannten „Listening Squawks“ gearbeitet, die ein vergleichbares Ziel verfolgen: die Reduzierung unnötiger Funkkommunikation bei gleichzeitiger Verbesserung der Verkehrsinformation.
Die Erfahrungen aus diesen Ländern zeigen, dass solche Verfahren insbesondere in stark frequentierten Lufträumen einen spürbaren Beitrag zur Entlastung leisten können.
Bedeutung für die allgemeine Luftfahrt
Für Pilotinnen und Piloten der allgemeinen Luftfahrt bringt der FMC mehrere Vorteile mit sich:
- Erhöhte Wahrscheinlichkeit, relevante Verkehrsinformationen zu erhalten
- Reduzierung von Funküberlastung und Wartezeiten
- Mehr Eigenverantwortung bei gleichzeitig verbesserter Einbindung in das Gesamtsystem
- Bessere Integration in komplexe Lufträume mit hohem Verkehrsaufkommen
Gleichzeitig bleibt die Eigenverantwortung der Piloten unverändert hoch. Das Mithören einer Frequenz ersetzt nicht die aktive Luftraumbeobachtung oder die Pflicht zur Kollisionsvermeidung.
Ausblick
Mit der Ausweitung des Probebetriebs ab April 2026 geht die DFS einen weiteren Schritt in Richtung moderner, flexibler Verfahren im unkontrollierten Luftraum. Sollte sich das FMC-Verfahren weiterhin bewähren, ist perspektivisch eine dauerhafte Implementierung denkbar.
Angesichts weiter steigender Verkehrszahlen in der allgemeinen Luftfahrt sowie zunehmender Luftraumkomplexität dürfte der Bedarf an solchen innovativen Lösungen weiter wachsen. Der Frequency Monitoring Code könnte sich dabei als wichtiger Baustein für einen effizienteren und zugleich sicheren Flugbetrieb etablieren.
Quellverweise:
AOPA
