Probleme bestehen seit Jahren
Die Kritik an der flugmedizinischen Verwaltung des Luftfahrt-Bundesamtes ist nicht neu.
Bereits in den vergangenen Jahren hatten DAeC, AOPA-Germany und DULV wiederholt auf lange Bearbeitungszeiten hingewiesen. Besonders problematisch sind sogenannte Verweisungsfälle, bei denen ein flugmedizinischer Sachverständiger eine Tauglichkeitsentscheidung nicht selbst abschließen kann und der Vorgang an die zuständige Behörde weitergegeben werden muss.
Für den betroffenen Piloten kann das erhebliche Folgen haben. Solange keine abschließende Entscheidung vorliegt, kann die fliegerische Tätigkeit teilweise nur eingeschränkt oder gar nicht ausgeübt werden.
Das betrifft sowohl Privat- als auch Berufspiloten.
Vier Monate im Durchschnitt bei Berufspiloten
Wie ernst das Thema genommen wird, zeigte Anfang 2026 ein Runder Tisch im Bundesverkehrsministerium.
Dort berichteten Branchenvertreter, dass Verweisungsverfahren bei Berufspiloten im Durchschnitt rund vier Monate dauern können. Für Airlines und andere Luftfahrtunternehmen entstehen daraus erhebliche Kosten, wenn Besatzungsmitglieder über längere Zeit nicht eingesetzt werden können.
Noch gravierender ist die Unsicherheit für die Betroffenen selbst. Neben dem wirtschaftlichen Schaden entsteht die Frage, wann überhaupt mit einer Entscheidung gerechnet werden kann.
Genau diese mangelnde Planbarkeit gehört seit Jahren zu den zentralen Kritikpunkten.
DAeC will aus Einzelfällen ein Gesamtbild machen
Mit der neuen Initiative verfolgt der DAeC nun einen systematischeren Ansatz.
Statt ausschließlich einzelne Beschwerden entgegenzunehmen, sollen die Fälle nach einheitlichen Kriterien erfasst werden.
Dabei interessieren vor allem Fragen wie:
Wie lange dauert ein Verfahren?
Wann hat das LBA zuletzt reagiert?
Welche Unterlagen wurden nachgefordert?
An welcher Stelle gerät ein Verfahren ins Stocken?
Gibt es bestimmte Fallgruppen, bei denen sich Verzögerungen regelmäßig wiederholen?
Aus möglichst vielen Einzelmeldungen sollen so wenige, klar beschreibbare Problemfelder entstehen.
Keine medizinischen Daten erwünscht
Ein wichtiger Punkt der Initiative ist der Datenschutz.
Der DAeC bittet ausdrücklich darum, keine medizinischen Unterlagen, Diagnosen, Befunde oder Angaben zu Medikamenten zu übermitteln.
Erfasst werden soll ausschließlich der administrative Ablauf.
These include, for example:
- Beginn des Verfahrens
- LBA-Aktenzeichen
- bisherige Bearbeitungsdauer
- letzte Reaktion des LBA
- Art des Verfahrensproblems
Damit soll verhindert werden, dass unnötig sensible Gesundheitsdaten gesammelt werden.
Meldung ersetzt keinen Rechtsbehelf
Piloten sollten außerdem beachten, dass die Meldung an den DAeC keine formelle Beschwerde gegenüber dem LBA darstellt.
Sie ersetzt weder Anträge noch Fristen oder Rechtsbehelfe.
Wer sich in einem laufenden Verfahren befindet, muss deshalb weiterhin selbst darauf achten, sämtliche gegenüber dem LBA geltenden Fristen einzuhalten.
Der DAeC übernimmt auch keine individuelle rechtliche oder medizinische Beratung.
Schon früher große Resonanz auf das Thema
Wie groß die Unzufriedenheit mit den Verfahren ist, zeigte bereits eine frühere Petition.
Mehr als 14.000 Menschen unterstützten damals Forderungen nach Verbesserungen in der flugmedizinischen Verwaltung. In den dazugehörigen Rückmeldungen wurden vielfach Bearbeitungszeiten von Monaten oder sogar Jahren geschildert.
Die Verbände brachten das Thema anschließend wiederholt gegenüber Politik und Behörden vor.
Zwischenzeitlich gab es Hinweise darauf, dass einzelne lange liegende Verfahren schneller abgearbeitet wurden. Eine nachhaltige strukturelle Lösung sehen die Verbände jedoch offenbar weiterhin nicht.
Warum Flugmedizin besonders sensibel ist
Flugmedizinische Entscheidungen bewegen sich in einem schwierigen Spannungsfeld.
Einerseits muss die Behörde sicherstellen, dass gesundheitliche Risiken für den Luftverkehr zuverlässig bewertet werden.
Andererseits haben lange Verwaltungsverfahren unmittelbare Folgen für Piloten.
Für Privatpiloten kann das bedeuten, über viele Monate nicht fliegen zu können. Für Berufspiloten hängt unter Umständen die wirtschaftliche Existenz von einer zeitnahen Entscheidung ab.
Gerade deshalb sind transparente Abläufe und nachvollziehbare Bearbeitungszeiten wichtig.
Auch Flugsicherheit spielt eine Rolle
Die Diskussion betrifft nicht nur Verwaltungseffizienz.
Branchenvertreter haben wiederholt darauf hingewiesen, dass sehr lange Verfahren das Vertrauen in das System beschädigen können.
Das ist aus flugsicherheitsrelevanter Sicht problematisch. Ein funktionierendes flugmedizinisches System ist darauf angewiesen, dass Piloten gesundheitliche Veränderungen offen ansprechen und sich frühzeitig medizinisch beraten lassen.
Entsteht dagegen die Befürchtung, dass bereits eine medizinische Abklärung zu monatelangen administrativen Problemen führen könnte, besteht das Risiko unerwünschter Fehlanreize.
Eine schnelle und verlässliche Verwaltung ist deshalb auch Bestandteil einer funktionierenden Safety Culture.
Was der DAeC mit den Daten erreichen will
Der Verband möchte die gesammelten Fälle nicht einfach veröffentlichen.
Stattdessen sollen wiederkehrende Muster identifiziert und anschließend gegenüber dem LBA konkret angesprochen werden.
Denkbar sind beispielsweise Probleme in folgenden Bereichen:
- außergewöhnlich lange Bearbeitungszeiten
- fehlende Zwischeninformationen
- wiederholte Nachforderungen
- unklare Zuständigkeiten
- Kommunikationsprobleme
- uneinheitliche Verfahrensabläufe
Sollten sich solche Muster anhand vieler Fälle belegen lassen, entsteht eine deutlich stärkere Grundlage für Gespräche mit Behörde und Politik als durch einzelne Beschwerden.
Konkrete Fälle nur mit Zustimmung
Wenn ein bestimmter Vorgang beispielhaft gegenüber dem LBA angesprochen werden soll, geschieht dies nach Angaben des DAeC nur mit Zustimmung des Betroffenen.
Dann kann auch das entsprechende Aktenzeichen verwendet werden.
Damit soll ein strukturelles Problem anhand eines konkreten Verfahrens nachvollziehbar gemacht werden, ohne dass der Verband selbst die Rolle eines Rechtsvertreters übernimmt.
Conclusion
Die neue Erhebung des DAeC zeigt, dass die Probleme rund um flugmedizinische Verfahren beim Luftfahrt-Bundesamt weiterhin nicht als gelöst gelten.
Nach Petitionen, Verbändegesprächen und dem Runden Tisch im Verkehrsministerium folgt nun der nächste Schritt: Aus vielen individuellen Erfahrungen soll eine belastbare Datenbasis entstehen.
Für betroffene Piloten bietet die Initiative die Möglichkeit, ihren Verfahrensablauf anonymisiert beziehungsweise datensparsam in ein größeres Gesamtbild einzubringen.
Entscheidend wird sein, ob sich daraus konkrete und messbare Verbesserungen ergeben: transparentere Abläufe, verlässlichere Kommunikation und vor allem kürzere Bearbeitungszeiten.
Denn sowohl für Piloten als auch für die Flugsicherheit ist ein medizinisches System nur dann wirksam, wenn fachliche Sorgfalt und funktionierende Verwaltung zusammenkommen.
Source references:
DAEC
