Die MOSAIC-Reform verändert den amerikanischen Leichtflugzeugmarkt
Die Allgemeine Luftfahrt in den USA erlebt derzeit eine der größten regulatorischen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte. Mit der sogenannten MOSAIC-Reform (Modernization of Special Airworthiness Certification) modernisiert die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA die Vorschriften für Light Sport Aircraft (LSA) grundlegend.
Während bislang eine starre Gewichtsgrenze von 1.320 Pfund beziehungsweise rund 600 Kilogramm galt, orientieren sich die neuen Regelungen künftig deutlich stärker an den tatsächlichen Flugeigenschaften eines Flugzeugs. Maßgeblich werden insbesondere sicherheitsrelevante Kriterien wie Überziehgeschwindigkeit, Flugverhalten und Betriebsgrenzen sein.
Dadurch erhalten Hersteller erheblich mehr Freiheiten bei Konstruktion und Ausstattung neuer Flugzeuge.
Neue Möglichkeiten für Hersteller und Piloten
Mit der Reform entstehen zahlreiche neue Möglichkeiten.
Künftig dürfen Light Sport Aircraft unter anderem:
- bis zu vier Sitzplätze besitzen,
- leistungsstärkere Triebwerke verwenden,
- moderne Cockpit- und Sicherheitssysteme integrieren,
- alternative Antriebe wie Elektro- oder Turbinenmotoren einsetzen,
- sowie deutlich größere Zuladungen ermöglichen.
Auch für Sportpiloten erweitert sich der Einsatzbereich erheblich. Zahlreiche bisher nicht zulässige Flugzeugmuster werden künftig mit einer Sport Pilot Licence geflogen werden dürfen.
Die Branche bewertet MOSAIC deshalb als die größte Modernisierung der amerikanischen Sportfliegerei seit Einführung der LSA-Kategorie im Jahr 2004.
Cub Crafters nutzt die neuen Möglichkeiten sofort
Kaum waren die neuen Regelungen veröffentlicht, präsentierte Cub Crafters bereits ein Flugzeug, das konsequent auf die neuen Möglichkeiten zugeschnitten wurde.
Die neue Carbon Cub ULT basiert auf der bekannten Carbon Cub UL, geht jedoch technisch einen entscheidenden Schritt weiter. Das zusätzliche „T“ im Modellnamen steht für Turbine.
Nach Angaben des Herstellers handelt es sich um das weltweit erste Ultraleicht- beziehungsweise Light-Sport-Flugzeug mit einem modernen Turbopropantrieb.
Damit schlägt Cub Crafters eine Brücke zwischen klassischer Buschfliegerei und modernster Antriebstechnologie.
Ein völlig neues Triebwerkskonzept
Herzstück der Carbon Cub ULT ist das neu entwickelte TurboTech TP-R90.
Dabei handelt es sich um ein regeneratives Turboproptriebwerk mit digitaler FADEC-Steuerung.
Im Gegensatz zu klassischen Kleinflugzeugturbinen nutzt das Triebwerk einen Wärmetauscher, der einen Teil der im Abgas enthaltenen Energie zurückgewinnt. Diese Wärme wird genutzt, um die angesaugte Luft bereits vor der Verbrennung vorzuwärmen.
Durch dieses regenerative Verfahren lässt sich der Kraftstoffverbrauch reduzieren und gleichzeitig die Effizienz der Turbine steigern.
Gerade bei kleineren Turbinen galt der vergleichsweise hohe Treibstoffverbrauch lange Zeit als einer ihrer größten Nachteile. Moderne regenerative Konzepte sollen diesen Nachteil deutlich verringern.
FADEC übernimmt die komplette Triebwerkssteuerung
Ein weiteres Merkmal der neuen Carbon Cub ULT ist die vollständige digitale Triebwerksregelung.
Das sogenannte Full Authority Digital Engine Control (FADEC) übernimmt sämtliche wesentlichen Funktionen des Antriebs automatisch.
Dazu gehören unter anderem:
- Leistungsregelung,
- Kraftstoffdosierung,
- Temperaturüberwachung,
- Startvorgänge,
- Motorschutzfunktionen,
- sowie die kontinuierliche Optimierung des Triebwerksbetriebs.
Für den Piloten reduziert sich dadurch die Arbeitsbelastung erheblich. Fehler bei Gemischregelung oder Leistungsmanagement, wie sie bei klassischen Kolbenmotoren möglich sind, entfallen praktisch vollständig.
Beeindruckende STOL-Eigenschaften
Die Carbon Cub-Familie genießt seit Jahren einen hervorragenden Ruf in der Buschfliegerei.
Durch ihr geringes Gewicht, große Tragflächen und leistungsstarke Motorisierung erreicht sie außergewöhnlich kurze Start- und Landestrecken.
Auch die neue Turbinenversion soll diese Eigenschaften beibehalten.
Die Kombination aus hohem Drehmoment, geringem Gewicht und hervorragender Aerodynamik ermöglicht Starts und Landungen auf extrem kurzen Pisten sowie auf unbefestigten Flugfeldern.
Gerade in Regionen mit schwieriger Infrastruktur, abgelegenen Flugplätzen oder anspruchsvollen Geländeverhältnissen bietet dieses Konzept erhebliche Vorteile.
Beeindruckende Leistungsdaten
Offizielle Leistungsdaten veröffentlicht Cub Crafters derzeit noch nicht vollständig.
Aus ersten Herstellerinformationen und Vorserienangaben ergeben sich jedoch interessante Eckdaten.
Demnach soll die Carbon Cub ULT ungefähr über folgende Leistungswerte verfügen:
- Leergewicht rund 400 Kilogramm
- Maximale Startmasse etwa 846 Kilogramm
- Nutzlast rund 447 Kilogramm
- Tankinhalt etwa 167 Liter
- Reichweite ungefähr 1.100 Kilometer
- Reisegeschwindigkeit über 200 km/h
Sollten sich diese Werte im Serienbetrieb bestätigen, würde die Carbon Cub ULT eine außergewöhnliche Kombination aus Reichweite, Nutzlast und STOL-Leistung bieten.
Moderne Materialien treffen klassische Flugzeugarchitektur
Trotz aller technischen Innovationen bleibt die Carbon Cub ihren historischen Wurzeln treu.
Die Grundkonstruktion orientiert sich weiterhin an der legendären Piper Cub aus den 1930er-Jahren.
Typisch bleiben:
- Hochdecker-Konfiguration,
- Tandemsitzanordnung,
- abgestrebte Tragflächen,
- hervorragende Rundumsicht,
- sowie das klassische Spornradfahrwerk.
Allerdings besteht ein Großteil der Struktur inzwischen aus modernen Kohlefaserverbundwerkstoffen, wodurch Gewicht eingespart und gleichzeitig die Festigkeit erhöht werden konnte.
Bedeutung auch für Europa
Auch wenn die Carbon Cub ULT zunächst ausschließlich für den amerikanischen Markt entwickelt wurde, beobachten europäische Hersteller die Entwicklung mit großem Interesse.
Alternative Antriebskonzepte gewinnen weltweit zunehmend an Bedeutung. Während derzeit vor allem Elektromotoren im Mittelpunkt stehen, könnten moderne Kleinflugturbinen künftig ebenfalls eine interessante Option darstellen.
Ob vergleichbare Konzepte künftig auch unter europäischen Zulassungsregelungen realisiert werden können, bleibt abzuwarten. Die Entwicklung zeigt jedoch deutlich, welches Innovationspotenzial im Bereich leichter Luftfahrzeuge weiterhin vorhanden ist.
Premiere in Oshkosh
Ihre öffentliche Premiere feiert die Carbon Cub ULT auf der EAA AirVenture in Oshkosh.
Die weltweit größte Luftfahrtmesse gilt traditionell als Bühne für zahlreiche technische Neuheiten der Allgemeinen Luftfahrt.
Cub Crafters nimmt bereits Vorbestellungen entgegen. Die ersten Serienauslieferungen sind nach aktuellem Planungsstand für das Jahr 2027 vorgesehen.
Fazit
Mit der Carbon Cub ULT präsentiert Cub Crafters weit mehr als nur eine neue Variante seiner erfolgreichen Carbon-Cub-Familie. Das Flugzeug demonstriert eindrucksvoll, welche Möglichkeiten die neue MOSAIC-Regelung eröffnet. Erstmals verbindet ein leichtes Sportflugzeug einen modernen Turbopropantrieb mit digitaler FADEC-Steuerung und den außergewöhnlichen STOL-Eigenschaften der klassischen Cub-Baureihe.
Auch wenn das Konzept zunächst auf den amerikanischen Markt ausgerichtet ist, könnte die Carbon Cub ULT den Beginn einer neuen Generation leistungsfähiger, effizienter und technologisch hochmoderner Leichtflugzeuge markieren.
Quellverweise:
Aerotelegraph
