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Avionik Straubing: Drei langjährige Mitarbeiter übernehmen den Traditionsbetrieb

Zuletzt aktualisiert am 6. September 2026
Bei Avionik Straubing beginnt eine neue Ära. Martin Scheifl, Josef Breu und Stefan Schönsteiner haben den renommierten Avionikbetrieb von den bisherigen Eigentümern Iris und Gunter Hemmel übernommen. Alle drei gehören dem Unternehmen seit vielen Jahren an und bringen zusammen rund 100 Jahre Erfahrung bei Avionik Straubing mit. Für Kunden dürfte der Management-Buyout vor allem Kontinuität bedeuten. Gleichzeitig wollen die neuen Eigentümer das Leistungsspektrum weiterentwickeln und insbesondere mechanische Arbeiten stärker mit Avionik-Upgrades verbinden.

Generationswechsel nach fast 50 Jahren

Avionik Straubing wurde 1977 von Gunter Hemmel am Flugplatz Straubing-Wallmühle gegründet. Ein Jahr später stieg seine Frau Iris in das Unternehmen ein. Seitdem entwickelte sich der Betrieb von einer klassischen Avionikwerkstatt zu einem der bedeutenden europäischen Spezialisten für Flugzeugelektronik.

Nun geht das Unternehmen vollständig in die Hände der nächsten Generation über. Mit Martin Scheifl, Josef Breu und Stefan Schönsteiner übernehmen keine externen Investoren, sondern drei langjährige Mitarbeiter und Führungskräfte.

Die neue Eigentümerstruktur ist damit ein klassischer Management-Buyout. Für Kunden, Mitarbeiter und Partner ändert sich weniger als bei einem Verkauf an einen Branchenfremden: Know-how, Ansprechpartner und technische Kompetenz bleiben im Unternehmen.

Von der Cessna bis zum Businessjet

Das Kundenspektrum von Avionik Straubing ist ungewöhnlich breit.

In den Werkstätten stehen klassische einmotorige Reiseflugzeuge ebenso wie Turboprops, Hubschrauber und Businessjets. Durch die Lage unmittelbar am Flugplatz Straubing können auch große Geschäftsreiseflugzeuge direkt zum Betrieb rollen.

Regelmäßig befinden sich etwa zehn Flugzeuge gleichzeitig in Arbeit. Ein erheblicher Teil davon erhält komplette Avionik-Modernisierungen, während andere Maschinen wegen Reparaturen oder Fehlersuche in die Werkstatt kommen.

Gerade ältere Flugzeuge bilden einen wichtigen Markt. Viele Maschinen aus den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren besitzen strukturell noch eine lange Lebensdauer, ihre ursprüngliche Avionik entspricht aber häufig nicht mehr heutigen Anforderungen.

Mehr als ein klassischer Wartungsbetrieb

Besonders macht Avionik Straubing, dass das Unternehmen nicht nur Geräte einbaut und austauscht.

Der Betrieb besitzt unter anderem eine EASA-Part-145-Zulassung für Wartungsarbeiten und eine eigene Part-21J-Entwicklungsorganisation. Damit können technische Änderungen selbst entwickelt, konstruiert und zertifiziert werden.

Über die Jahre entstanden hunderte Supplemental Type Certificates für unterschiedliche Flugzeugmodifikationen.

Hinzu kommen Zulassungen für den amerikanischen und britischen Markt. Damit kann der Betrieb auch Flugzeuge mit FAA- beziehungsweise UK-Zulassung betreuen.

Zum Leistungsspektrum gehören Navigation, Kommunikation, GPS, Autopiloten, Wetterradar, Flight Management Systems und komplette Glascockpit-Umbauten.

Reparieren statt nur austauschen

Eine zunehmend seltene Kompetenz ist die Reparatur einzelner Avionikgeräte.

Während moderne Instandhaltung häufig darauf hinausläuft, ein defektes Modul komplett auszutauschen, verfügt Avionik Straubing noch über die Fähigkeiten und Prüfmittel, einzelne Komponenten zu reparieren, sofern Herstellerunterlagen und Zulassung dies erlauben.

Das kann gerade bei älteren Geräten wirtschaftlich interessant sein, für die Ersatzteile oder komplette Austauschgeräte nur noch schwer erhältlich sind.

Auch mechanische Fluginstrumente werden weiterhin überholt. Dazu gehören beispielsweise Kurskreisel und künstliche Horizonte. Selbst spezielle Anlagen zum Auswuchten mechanischer Kreiselrotoren sind noch vorhanden.

Damit bewahrt der Betrieb Fähigkeiten, die mit dem Vormarsch digitaler Avionik in Europa zunehmend selten werden.

Glascockpit sorgt gleichzeitig für Wachstum

Trotz dieser klassischen Kompetenzen liegt ein großer Teil des heutigen Geschäfts bei moderner digitaler Avionik.

Viele Eigentümer nutzen größere Wartungsereignisse, um alte Vakuuminstrumente, Navigationsgeräte und Autopiloten durch moderne Systeme zu ersetzen.

Komplette Panel-Umbauten können dabei PFD und MFD, GPS-Navigator, digitalen Autopiloten, Transponder, ADS-B und elektronische Motorüberwachung umfassen.

Der Markt dürfte auch in den kommenden Jahren bedeutend bleiben. Ein großer Teil der europäischen GA-Flotte besteht aus älteren, technisch soliden Flugzeugen, deren Modernisierung wesentlich günstiger sein kann als die Anschaffung eines Neuflugzeugs.

Eigene Entwicklung bleibt wichtig

Avionik Straubing beschränkt sich zudem nicht auf Produkte großer Hersteller.

Die eigene Entwicklungsorganisation realisiert auch spezielle Avioniklösungen und verfügt über eigene Produkte, darunter Systeme für Höhenvorwahl, Anzeigen, Kraftstoffmengenmessung und die Integration moderner Navigationsverfahren in vorhandene Cockpits.

Hardware und Software können nach den entsprechenden Luftfahrtstandards entwickelt und anschließend über die eigene Design Organization zertifiziert werden.

Damit deckt das Unternehmen einen ungewöhnlich großen Teil der Wertschöpfungskette selbst ab – von Entwicklung und Zertifizierung über Fertigung und Prüfung bis zum Einbau ins Flugzeug.

Neue Eigentümer wollen Angebot erweitern

Mit dem Eigentümerwechsel soll diese Ausrichtung grundsätzlich erhalten bleiben. Gleichzeitig planen die neuen Inhaber, den Bereich mechanischer Arbeiten auszubauen.

Die Idee dahinter ist naheliegend: Ein umfangreiches Avionik-Upgrade kann ein Flugzeug für mehrere Wochen in der Werft halten. Diese Standzeit lässt sich nutzen, um parallel weitere Wartungs- oder Änderungsarbeiten durchzuführen.

Für den Kunden könnte damit künftig mehr Arbeit aus einer Hand erfolgen und ein zusätzlicher Werkstattaufenthalt entfallen.

Herausforderung Regulierung

Wie viele Luftfahrtbetriebe hat auch Avionik Straubing gleichzeitig mit wachsendem regulatorischem Aufwand zu kämpfen.

Neben klassischen Wartungs- und Zulassungsvorschriften gewinnen Themen wie Safety Management und Cybersecurity an Bedeutung. Gerade moderne vernetzte Avionik macht IT-Sicherheit inzwischen zu einem relevanten Bestandteil der Luftfahrzeugzulassung.

Für mittelständische Spezialbetriebe bedeutet dies zusätzlichen Dokumentations- und Personalaufwand.

Genau hier kann die vorhandene Entwicklungs- und Zulassungskompetenz allerdings zum Wettbewerbsvorteil werden.

Fazit

Der Eigentümerwechsel bei Avionik Straubing ist weniger ein Bruch als ein geplanter Generationswechsel. Drei Mitarbeiter, die das Unternehmen seit Jahrzehnten kennen, übernehmen einen Betrieb, dessen Kompetenzen von der Reparatur mechanischer Kreiselinstrumente bis zur Entwicklung und Zertifizierung moderner digitaler Avionik reichen.

Für die deutsche Allgemeine Luftfahrt ist diese Kontinuität durchaus bedeutend. Spezialisten, die alte und neue Technik gleichermaßen beherrschen und gleichzeitig eigene Zulassungen entwickeln können, sind selten geworden.

Mit dem geplanten Ausbau des Leistungsspektrums wollen Martin Scheifl, Josef Breu und Stefan Schönsteiner nun die Grundlage dafür schaffen, dass Avionik Straubing auch nach fast fünf Jahrzehnten weiter wächst.


Quellverweise:
Fliegermagazin

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