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ADS-L wird weiterentwickelt: Neue technische Spezifikation stärkt Sicherheit und Sichtbarkeit im europäischen Luftraum

Zuletzt aktualisiert am 18. Januar 2026
Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hat eine neue Version der technischen Spezifikation ADS-L 4 SRD860 veröffentlicht. Damit wird ein weiterer wichtiger Schritt zur elektronischen Sichtbarkeit von Luftfahrzeugen und zur Integration von U-Space-Diensten in Europa vollzogen. Die Aktualisierung richtet sich an Betreiber bemannter Luftfahrzeuge ebenso wie an Hersteller und Akteure aus dem unbemannten Bereich. Ziel ist es, eine einheitliche, skalierbare und interoperable Lösung zu schaffen, die Kollisionen vermeidet, den Zugang zu komplexen Lufträumen erleichtert und langfristig die kooperative Nutzung des europäischen Luftraums durch bemannte und unbemannte Systeme ermöglicht.

ADS-L als technologische Grundlage für Sichtbarkeit

ADS-L (Automatic Dependent Surveillance – Light) ist ein System, das die Position und Identität eines Luftfahrzeugs über Funk überträgt, ohne dass teure zertifizierte ADS-B-Hardware oder lizenzpflichtige Frequenzbänder erforderlich sind. Im Gegensatz zu klassischen Transpondern setzt ADS-L auf kostengünstigere Sensorik und trägt damit insbesondere in niedrigen Lufträumen zur elektronischen Sichtbarkeit bei.

Die Spezifikation ADS-L 4 SRD860 ermöglicht die Nutzung unlizensierter 860-MHz-Frequenzbereiche, um Luftfahrzeuge im Nahbereich sichtbar zu machen. Diese Technologie ist vor allem im Zusammenhang mit dem europäischen U-Space relevant, also jenem kontrollierten Luftraum, der künftig das sichere Nebeneinander von Drohnen, bemannter Luftfahrt und automatisierten Diensten ermöglichen soll.

Bedeutung für den U-Space und BVLOS-Operationen

Mit der Entwicklung des U-Space – einem durch digitale Dienste unterstützten Luftraum – geht die Notwendigkeit einher, dass alle Luftraumnutzer elektronisch erkannt und verfolgt werden können. ADS-L soll bemannte Luftfahrzeuge beim Einflug in diese Zonen sichtbar machen, wodurch Konflikte mit Drohnen vermieden werden. Gleichzeitig profitieren Drohnenbetreiber, insbesondere bei Flügen außerhalb der Sichtweite (BVLOS), von einem besseren Lagebild und einer höheren Akzeptanz im Einklang mit Sicherheitsanforderungen.

Die neue Spezifikation trägt zu einem konsistenten Bild des Luftverkehrs bei, indem sie die Interoperabilität zwischen bemannter und unbemannter Luftfahrt stärkt. Das kommt nicht nur der Sicherheit zugute, sondern schafft auch die Grundlage für automatisierte Verkehrsflüsse, wie sie künftig im urbanen oder industriellen Umfeld erwartet werden.

Inhaltliche Neuerungen der Ausgabe 2

Die nun vorgelegte Ausgabe 2 von ADS-L 4 SRD860 beinhaltet eine Reihe relevanter Weiterentwicklungen, die sowohl auf technischen Erfahrungen als auch auf Industrie-Feedback beruhen:

Verfeinerte Übertragungsanforderungen

Nach ersten Implementierungen wurden Übertragungsparameter präzisiert, die Datenqualität erhöht und das Verhalten im Frequenzband weiter spezifiziert. Ziel ist eine höhere Verlässlichkeit bei gleichzeitig geringer Systemkomplexität.

Erweiterte Boden-Luft-Weiterleitung

Ein neu integrierter Mechanismus erlaubt die Übertragung von Luftverkehrsdaten und Gefahrenmeldungen vom Boden zur Luft. Dadurch können Piloten rechtzeitig über Verkehrssituationen, Luftraumstrukturen oder meteorologische Risiken informiert werden. Dieses Konzept ähnelt bodengestützten Services, wie sie im Transponderumfeld üblich sind, jedoch in einer vereinfachten Form.

Vorbereitung für unbemannte Luftfahrzeuge

Durch die Verknüpfung mit bestehenden Standards für die Fernidentifikation von Drohnen wird deutlich, dass ADS-L langfristig auch im unbemannten Sektor Anwendung finden soll. Damit entsteht ein harmonisierter Umgang mit Sichtbarkeitsanforderungen über verschiedene Luftfahrzeugklassen hinweg.

Verbesserte Interoperabilität und Zukunftsfähigkeit

ADS-L-Geräte können künftig eigene Fähigkeiten übermitteln, wodurch eine Art „Selbstbeschreibung“ des Systems entsteht. Das erleichtert die Integration in Netzwerke, die Skalierung auf mehr Teilnehmer und zukünftige Systemerweiterungen.

Zusammenspiel zwischen Regulierung und Industrie

Die Entwicklung der neuen Spezifikation erfolgte in enger Abstimmung zwischen Regulierungsbehörden, Herstellern von Avionik- und Drohnensystemen, Betreiberverbänden und Nutzergruppen. Dieser kooperative Ansatz soll sicherstellen, dass die Spezifikation praktikabel bleibt und den Bedürfnissen eines heterogenen Nutzerfeldes gerecht wird – vom Segelflugzeug bis zur professionellen Drohne.

Ein abgestimmtes Vorgehen ist entscheidend, da die Luftfahrt aktuell einen Transformationsprozess erlebt: Neben klassischer bemannter Fliegerei etablieren sich Drohnendienste, Lufttaxis, automatisierte Lieferketten und neue Fluggeräteklasse im urbanen Luftraum. Technologien wie ADS-L stellen dabei die Grundlage dar, um den Zugang zu teilen, statt ihn zu beschränken.

Ausblick und Beteiligungsmöglichkeiten

Die EASA lädt Hersteller, Betreiber und Verbände dazu ein, sich in der sogenannten ADS-L-Koalition einzubringen. Ziel dieses Forums ist es, die Implementierung zu begleiten, Innovationen anzuregen und sicherzustellen, dass Systeme, Vorschriften und reale Betriebsumgebungen aufeinander abgestimmt bleiben.

Europa setzt damit auf einen kooperativen Weg, um elektronische Sichtbarkeit zur Norm zu machen. Das ist auch deswegen relevant, weil Sicherheit im unteren Luftraum zunehmend digital und datenbasiert organisiert wird. Sichtbarkeit und Lageerfassung werden sich zu tragenden Säulen entwickeln, wenn bemannte und unbemannte Luftfahrt künftig denselben Luftraum teilen.

Fazit

Mit der Veröffentlichung der neuen ADS-L 4 SRD860-Spezifikation setzt die europäische Luftfahrt einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zu mehr Sicherheit, Effizienz und Koordination im Luftraum. Die Technologie ermöglicht kostengünstige elektronische Sichtbarkeit, erleichtert den Zugang zum U-Space und schafft harmonisierte Grundlagen für die Integration neuer Luftverkehrsteilnehmer. Die Weiterentwicklungen der Ausgabe 2 zeigen außerdem, dass Europa die Luftfahrt nicht nur regulieren, sondern aktiv weiterentwickeln will – mit dem Ziel eines vernetzten und zukunftsfähigen Luftverkehrssystems.


Quellverweise:
Flieger.News

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